Drei Monate bei Geschwistern
Wo andere gern mal Urlaub machen
wegen des schönen Wetters, der schönen
Landschaft, der Stadt San Francisco, da
konnte ich letzten Herbst am Pacific
Lutheran Theological Seminary in
Berkeley, Kalifornien, zum
Kontaktstudium weilen. Vom Dach des
Hauses der Blick gen Osten auf den
Tilden Regional Park; gen Westen auf
die Bay, San Francisco und Golden Gate
Bridge und schöne Sonnenuntergänge.
Meine Unterkunft wage ich mit einer
Mönchszelle zu vergleichen, deren
„Härte“ eingebettet war in die herzliche
Aufnahme in eine Glaubens-, Lebens- und
Arbeitsgemeinschaft von
Studierenden, Mitarbeitern, Professoren,
und deren Sorge, dass ich ja eine gute
Zeit in ihrer Mitte haben möchte. Und
zum Abschied die Frage, was sie hätten
besser machen können. Ich weiß um das
oberflächliche „How are you?“ – und ich
weiß um diese herzliche Gastlichkeit.
Was mich weiter beeindruckt hat, ist die
intensive kulturkritische
Auseinandersetzung mit Rassismus
(definiert als „Vorurteil + Macht“ zur
Sicherung der Privilegien für Weiße)
und das Mühen, eine anti-rassistische
Institution und Kirche zu sein.
Was mich auch beeindruckt hat, ist die
offene unbedingte Einladung zum Tisch
des Herrn, auch unter dem Motto
„radikale Inklusivität“ ausgedrückt.
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Soviel Freiheit macht ja fast Angst –
aber eben so weit ist die Gnade und
Barmherzigkeit Gottes. Im Englischen
gibt es das schöne Wort „to share“ =
miteinander teilen, gemeinsam besitzen.
Das lutherische Seminar ist Teil eines
ökumenischen Verbundes von
Seminaren (Graduate Theological
Union) und da gibt es u.a. ein „Zentrum
für Naturwissenschaft und Theologie“.
Da an einem Seminar teilzunehmen war
spannend.
Und wunderschön war der Besuch bei
Freunden (Wiedersehen nach 15 und
mehr Jahren) und ein intensiver
Austausch nicht allein über persönliches
Ergehen, sondern auch über Themen wie
Ordination und apostolische Sukzession,
Capture Wall-Street (Protestbewegung),
was in der lutherischen Kirche so vor
sich geht, homosexuelle Pfarrerinnen
und Pfarrer, republikanische und
demokratische Politik...
Bleibt mir herzlich „danke“ zu sagen bei
Landeskirche, Gemeinde und Kollegen
und natürlich PLTS für dieses Gastspiel.
Mit herzlichen Grüßen Ihr
Pfarrer Christoph Weber
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